Da die letzte Tour auf den Halfdome ziemlich genau 10 Jahre her war, gab es beim Besuch im Yosemite National Park eigentlich gar keine Frage, welche Wanderung es sein sollte. Die Tour auf den Halfdome ist wahrscheinlich die spektakulärste, die es im Park gibt, etwa 22km lang und ca. 1400Hm jeweils im Auf- als auch Abstieg. Hinzukommt, das es im Sommer mit über 30Grad gerne kochend heiß wird. Das Highlight ist aber das berühmtberüchtigte letzte Teilstück. Hier geht es, nachdem man völlig platt die letzte Anhöhe erklommen hat, die letzten 150Hm eine 45° teile Granitwand hinauf. Diese ist so steil, das man ohne Hilfsmittel stellenweise einfach vom Fels rutscht. Aus diesem Grund sind Metallstangen, die mit Seilen verbunden sind, in den Felsen eingelassen.

Um der Tour noch etwas zusätzliche Würze zu verleihen, sollte mit Minimalausrüstung gegangen werden. Außerdem war ich etwas in Zeitnot, da der Tioga Pass aufgrund von Waldbränden gesperrt war und somit ein langer Umweg im Süden notwendig war um weiter ins Death Valley zu fahren. Daher sollte die ganze Tour möglichst schnell gegangen werden.

Da die Übernachtung am Tag davor nicht im Nationalpark stattfand, waren vor dem Start noch ca. 2h Autofahrt nötig. Um trotzdem zum Sonnenaufgang starten zu können bedeutete dies mitten in der Nacht zu starten.

ca. 2h Anreise von Turlock bis in den Yosemite NP

Um kurz vor 4Uhr ging es also auf den Weg. Kurz vor 6Uhr und somit noch vor dem Sonnenaufgang bin ich dann auch im Yosemite Valley angekommen.

Ankunft im NP, noch dunkel, aber nicht mehr lang …

Geparkt wurde auf dem großen Parkplatz im Yosemite Village, welcher um diese Zeit total leer war. Geplant war von dort über die Vernal Falls in großem Bogen auf den Halfdome zu steigen.

die geplante Tour

Beim Abzweig auf den Weg zum Halfdome kamen die üblichen Hinweis- und Warnschilder. Guter Zeitpunkt also, um einmal zu checken ob alles dabei ist:

Infotafel für alle, die nicht selber planen können

Also Ausrüstungsvergleich:

  • 4L Wasser – naja fast, nur 3,5L
  • doppelt soviel Essen wie üblich – 2 Energieriegel müssen reichen
  • Erste-Hilfe-Set – das liegt irgendwo zu Hause
  • Karte / Kompass – hab ich im Kopf
  • Pfeife – auch irgendwo zu Hause
  • Licht + Batterien – brauch ich tagsüber nicht
  • adequate Kleidung und Schuhe – kurze Hose + T-Shirt + Wanderschuhe sollten reichen
  • aktuellen Wetterbericht – kurzer Blick zum wolkenlosen Himmel, sieht gut aus …
  • Notfallplan – wird bei Bedarf geschmiedet

ab hier sind es noch knapp über 11Km

Nachdem der eigentliche Trailhead erreicht war, war die Sonne bereits soweit aufgegangen, das es ausreichend hell war. Die ersten Wanderer waren auch bereits unterwegs. Vermutlich aus dem gleichen Grund wie ich. Früh starten, um möglichst viele Höhenmeter zu schaffen, bevor die Sonne heiß vom Himmel knallt.

einige Gleichgesinnte sind bereits unterwegs

Der Weg bis zu ersten Flussquerung ist glatt asphaltiert und daher zügig geschafft. Ab da geht es nun zunehmend steiler nach oben Richtung Vernal Falls. Am Ende wird der Weg steiler und stufiger.

Vernal Falls

eng an der Wand entlang

Oberhalb der Vernal Falls geht es zunächst etwas ebener weiter bis man die Nevada Falls erreicht.

Wasserfall Nr. 2 (Nevada Falls)

Die Nevada Falls sind geschafft und geht es zunächst eine Weile halbwegs eben weiter. Die Tierwelt ist unterdessen auch erwacht, so dass man einiges zu sehen bekommt.

unbeeindruckt von den Wanderern

Nachdem die erste Wasserflasche leer war wurde die Geheimwaffe geöffnet. Da die meisten Amerikaner beim Wandern Gatorade hinterkippen habe ich am Tag zuvor beim Food Maxx in Turlock eine große Flasche Gatorade mit knapp 2L in der Geschmacksrichtung rote Zuckerbrühe gekauft.

knapp 2L pure Power … oder so ähnlich

zumindest optisch schick anzusehen

Der weiter Weg führt nun mehr oder weniger in einem Bogen um den Half Dome herum auf seine Rückseite. Den Berg dabei immer fest im Blick.

das Ziel immer im Auge

Nach einer Weile war dann auch der letzte Anstieg erreicht. Ab hier geht es nur noch steil nach oben.

kurze Pause bevor es steil nach oben geht

ich korrigiere – supersteil

Eine gute Tradition, die es auch schon in den 90ern gab. Gebrauchte Handschuhe zum Festhalten an den Stahlseilen liegen vor dem Einstieg auf einem Haufen. Jetzt gilt es nur noch ein passendes Paar zu finden. Bei Handschuhgröße 12 nicht so ganz einfach. Ein weiterer Vorteil wenn man früh da ist. Der Anteil durchgeschwitzter nasser Handschuhe ist gering 🙂

größere Handschuhauswahl als jeder Outdoorshop

Der Anstieg nach oben ist dann noch einmal ziemlich anstrengend was zum Einen an der Steilheit liegt, zum anderen einfach daran, dass man bereits einige Höhenmeter in den Beinen hat.

es geht echt steil nach oben

Oben angekommen ist es erstaunlich flach und aufgrund der Tageszeit noch angenehm leer und ruhig.

auf dem Half Dome

da es oben keinen Walmart gibt um Gatorade zu kaufen, waren meine Reste sehr begehrt

Blick in Richtung Glacier Point – im Hintergrund der Waldbrand

senkrechte Felswände bis ins Tal

Blick in Richtung Glacier Point – im Hintergrund der Waldbrand

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Blick in Richtung Tioga Pass

Nachdem die Aussicht ausreichend genossen wurde und jede Menge Bilder im Kasten waren ging es wieder hinunter. Die erste Pause wurde oberhalb der Vernal Falls eingelegt. Hier staut sich das Wasser, bevor es über die Wasserfälle nach unten stürzt. Somit also die ideale Stelle um die Füsse einmal im frischen Wasser abzukühlen.

Schuhe aus …

… Füße rein

Danach ging es die vielen Stufen neben den Vernal Falls bergab um anschließend auf dem letzten asphaltierten Stückchen wieder zurück zur Straße zu laufen.

letztes Foto der Vernal Falls

alles alle

Mit der Ankunft am Auto war dann auch der letze Schluck Flüssigkeit aufgebraucht. Gute Planung sozusagen …