Aufgrund von noch zu verbrauchendem Resturlaub enstand die Idee, kurzfristig noch eine schöne Tour zu machen. Die übliche Wahl war: Harz oder sächsische Schweiz. Da für den Brocken zwar deutliche Minusgrade aber Sonnenschein angekündigt war, fiel die Wahl auf sächsische Schweiz. Der Wetterbericht sagte Temperaturen um die 0 Grad, null Sonnenschein, Wind und ggf. leichten Regen vorraus.
Da es allein nicht so schön ist, konnte ich am Tag zuvor noch meinen Bruder begeistern mitzukommen.

Nachdem die Destination grob feststand, stellte sich die Frage: wo genau solls langgehen? Es sollte nicht zu kurz sein, +10km wär schon schön. Wenn möglich sollte möglichst viel Kletterei hoch und runter dabei sein.

Eine wie immer gute Anlaufquelle ist die Seite von Ingo Geier (www.wandern-saechsische-schweiz.de). Hier gibt es unzählige ausführlich beschriebene Routenvorschläge, alle inkl. GPX-File womit ein nachlaufen super easy ist.
Es dauerte auch nicht lang und die passende Route war gefunden. Die Wahl fiel auf die Stiegen-Tour, da die Key-Words dazu vielversprechend klangen (lang, viele Höhenmeter, festes Schuhwerk, sehr schmale Stelle). Wie gesagt gibt es zu jeder Tour ein GPX-File mit den Wegpunkten, welches schnell in die OpenStreetMap aufs Smartphone gezogen wurde. Zur Sicherheit habe ich ganz Old-School die Beschreibung noch einmal ausgedruckt. Man weiß ja nie …
Am nächsten Tag ging es dann mit dem Auto zum Ausgangspunkt der Tour, dem Beuthenfall im Kirnitzschtal. In Bad Schandau irritierte uns kurzzeitig ein Schild, welches sagte, dass das Kirnitzschtal gesperrt ist. Das haben wir erst einmal ignoriert, wie sich herausstellte zurecht. Weit und breit war keine Sperrung zu sehen. Es gab lediglich ein Baustelle, auf der die Bauarbeiter damit beschäftigt waren einen Fangzaun zu erreichten (wegen dem Kollegen hier).
Der Parkplatz am Beuthenfall war dann auch schnell erreicht. Da niemand anders da war konnten wir uns den Parkplatz frei aussuchen. Entgegen der Tourbeschreibung gab es jedoch kein kostenloses Parken. Ein Parkscheinautomat wartete bereits darauf gefüttert zu werden. Vier Euro für die Tageskarte sind aber ok. Also schnell das Münzgeld zusammengekramt … 3,90€, verdammt. Kein Laden in der Nähe, kein anderer Wanderer zu sehen, da gab es also bloß eins – hoffen, dass im lokalen Ordnungsamt bereits die Weihnachtsvorbereitungen angelaufen sind und alle fleißig beschäftigt sind.

Die Tour startete mit einem kurzen Aufstieg zum Bloßstock und der Diskussion darüber, wieviel Leuten wir wohl auf der Tour begegnen würden. Am Ende kamen wir zu der Prognose, dass es nicht mehr als 10 Personen werden.
Am Bloßstock ging es rechts vorbei und auch der darauf folgenden Einstieg zur Häntschelstiege wurde links liegen gelassen, um kurz danach vor den Zwillingsstiegen zu stehen.

Zwillingsstiege – erster skeptischer Blick

Zwillingsstiege – auf gehts

Die Zwillingsstiege starten mit einer senkrechten Wand, welche aber Dank ausreichend Metall gut zu meistern sind. Im weiteren gehts es stetig bergauf, hindurch durch eine schmale Stelle und einige weitere Leitern und schon sind die Zwillingsstiege geschafft. Über die Wilde Hölle geht es bergab wieder zurück zum Bloßstock.

Wilde Hölle

Wilde Hölle

Diesmal geht es jedoch die Häntschelstiege hoch. Hier gibt es verschiedene Auffassungen darüber, in wie weit eine Sicherung zu empfehlen ist. Für Unerfahrene und Kinder ist ein Klettersteigset sicher nicht verkehrt, ansonsten geht es auch ohne. Wie die großen Brüder in den Alpen ist auch dieser Klettersteig gut gesichert so dass sich stets genug Griffmöglichkeiten finden.

Die Häntschelstiege sind eine schöne Kletterrei mit einigen schmalen Stellen sowie einer luftigen Passage inkl. eines Überstieges zur anderen Felsseite (ca. 10m über der Grund). Der erste Teil ist recht easy zu bewältigen. Im zweiten Teil geht es in eine durch eine sehr schmale Felsspalte weiter. Mit Rucksack kann es bei hier schon knapp werden. Zwischen den Felsen geht es dann senkrecht nach oben, gefolgt vom bereits erwähnten Überstieg.
Am Ende der Häntschelstiege angekommen wehte uns ein eiskalter Wind entgegen, der die geplante Pause sehr kurz ausfallen ließ.

Häntschelstiege – Zustieg

Häntzschelstiege – Einstieg

Häntzschelstiege – Einstieg

Häntschelstiege -zwischen den Felsen steil aufwärts

Häntschelstiege – Überstieg

Der weitere Weg führte dann über das lange Horn zurück zum nächsten Wanderweg. Damit keine lange Weile aufkommt, ging es gleich steil bergab. Dieses mal über die Rotkehlchenstiege. Diese führen relativ steil und endlich mal ohne Eisen nach unten. Berghoch ist dies sicher eins ordentliches Stück Arbeit. Aber für uns ging es ja bergab 🙂

Rotkehlchenstiege – steil bergab

Nachdem die Rotkehlchenstiege durchstiegen waren, ging es erstmal ein Stück in der Ebene weiter, um zur letzten Stiege des Tages zu kommen. Da die Wege in dieser Gegend nie weit sind standen wir kurz darauf vor einer Felswand in der irgendwo die Rübezahlstiege sein mussten. Allerdings erschloss sich uns nicht wo genau der Einstieg war. Als wir direkt vor der Felswand standen erspäten wir aber die ersten Eisen und alles war klar.
Der Einstieg erforderte ein paar beherzte Griffe, mit dem Erreichen des ersten Eisens ging es dann einfacher voran. Das Highlight der Tour stellte das letzte Stück dar. Mann tritt in ein Loch in den Felsen herein muss dann senkrecht nach oben Klettern und sich durch ein winziges Loch ans Tageslicht kämpfen. Im Felsen wird es so eng, dass man mit Rucksack auf dem Rücken keine Chance hat. Selbst ohne Rucksack ist am Ende kaum noch Bewegungsfreiheit. Zu allem Überfluss muss man sich auf dem Weg noch einmal komplett drehen. Wenn man sich nach einigem Fluchen endlich aus dem Loch herausgeschält hat, möchte man eigentlich gleich wieder nochmal von unten beginnen.

Rübezahlstiege – harter Einstieg

Rübezahlstiege – durch dieses winzige Loch muss man

Nach dem Ende der Rübezahlstiege ging es über den Reitstieg zurück zum Hauptwanderweg. Hier steigt man dann über den kleinen Dom ganz entspannt ab und kommt nach ein paar Kilometer wieder am Bloßstock vorbei und wieder zum Parkplatz Beuthenfall.
Hier stellten wir freudig fest, dass das Ordnungsamt bessere Sachen zu tun hatte.
Zeitlich haben wir die Referenz von Ingo Geier fast exakt getroffen, 4:35h für die komplette Tour.

Eine offene Frage gab es aber noch. Wieviel Leute haben wir nun getroffen?

  • 2 Mädels gleich zu Begin in den Zwillingsstiegen
  • 3 Holländer mit Kletterausrüstung oberhalb der Zwillingsstiege, die etwas verlaufen wirkten und uns fragten wo es hier Klettersteige gibt.
  • 1 Wanderer am Ende der Häntzschelstiege der gefühlt alle Karten die es zur sächsischen Schweiz gibt sowie unzählige Tourenbeschreibungen in seinem Brustbeutel hatte
  • 1 Oma mit apricotfarbenem “Lipton Ice Tea”-Basecap
  • 1 Vater mit seinem Kind die gerade in der Boofe oberhalb des Rotkehlchenstieges pausierten
  • 1 Mädel kurz nach dem kleinen Dom
  • 2 total bepackte Wanderer, die auf einer Mehrtagestour zu sein schienen.
    Macht zusammen also 12 Mann

Insgesamt eine sehr schöne Tour mit schönen Klettereinlagen sowie dem Highlight Rübezahlsstiege.