In den letzten Monaten war es etwas ruhiger, was auch daran liegt, das der Sommer nicht so die Schlechtwetterhochzeit ist. Vielmehr war der Sommer fürchterlich warm und trocken … aber bald ist es damit ja zum Glück vorbei!
Aber so wie man sich beim Wandern das Leben durch schlechtes Wetter künstlich schwer machen kann, so geht das auch beim Radfahren.

Der Stelvio Bike Day ist eine jährliche Veranstaltung, bei der die Passstrasse für den Fahrzeugverkehr gesperrt wird und Biker aus ganz Europa sich die über 40 Kehren nach oben quälen. Der Passo di Stelvio (Stilfser Joch) ist mit 2757m der zweithöchste per Fahrzeug erreichbare Pass der Alpen. Von italienischer Seite windet sich die Strasse aus dem Tal von ca. 900m über unzählige Serpentinen steil nach oben. Die Strecke hoch zum Pass ist ca. 26km lang und überwindet etwas über 1800Hm.

[Quelle: Wikipedia]

[Quelle: Wikipedia]

Um den Schwierigkeitsgrad künstlich etwas zu erhöhen, wurde nicht wie beiden den meisten Teilnehmern ein Rennrad gewählt, sondern das MTB. Ein Bike mit 1×9 Schaltung, also kein Umwerfer vorn und hinten ein 9-fach Schaltwerk. Die leichteste Übersetzung war somit 38:34. Ob das ausreicht …

Der Stelvio Bike Day ist keine Veranstaltung mit festem Start, vielmehr ist die Strasse ab 8Uhr gesperrt und jeder kann starten wann und von wo es ihm gefällt. Wir sind gegen halb neun von Prad aus gestartet. Die ersten Kilometer waren noch relativ flach so dass man relativ zügig fahren konnte. Nach ein paar Kilometern wird es dann steiler und es kommt auch die erste Serpentine.

Erste Serpentine

Erste Serpentine

Hinter Trafoi wird es dann zunehmend steiler und die Serpentinen reihen sich aneinander. Mann beginnt dann automatisch die noch offenen Serpentinen nach unten zu zählen.
Irgendwo bei Serpentine 30 (noch 30 bis zum Pass) befand sich die erste Verpflegungsstation. Hier gab es kostenlos Getränke und Südtiroler Äpfel. Außerdem stand ein Tankanhänger mit Wasser bereit um die Trinkflaschen aufzufüllen. Dies führte dazu, das es in der Kurve relativ voll war und es einige Situationen gab, wo sich stehende und hinauffahrende Biker in die Quere kammen. Unschönerweise sind dabei auch vereinzelt Biker gestürzt, die es nicht mehr schafften rechtzeitig aus ihren Klickpedalen zu kommen.

Die erste Verpflegungsstation – gut frequentiert

Die erste Verpflegungsstation – gut frequentiert

Im weiteren Verlauf kamen dann auch die ersten Biker, die, die bereits in aller Frühe aufgebrochen waren, wieder herunter, was im Anblick der Massen die sich berghoch quälten nicht ungefährlich war.

Die ersten kommen nach unten, allerdings nicht alle so ungefährlich

Die ersten kommen nach unten, allerdings nicht alle so ungefährlich

Die weitere Strecke lässt sich am besten mit den Worten steil nach oben und quälende Hitze (im Tal waren es 35 Grad) beschreiben. Da unterdessen kaum noch Bäume standen, gab es auch keinen kühlenden Schatten.

Pause, das Ziel im Blick

Pause, das Ziel im Blick

Blick zurück – das ist bereits alles geschafft

Blick zurück – das ist bereits alles geschafft

Nachdem wir uns auch die letzten Kurven nach oben gequält hatten, sind wir auf dem Pass angekommen und fanden uns in Massen andere Biker wieder. Zeit erst einmal zu verschnaufen, was zu trinken und einen kleinen Snack zu sich zu nehmen.

Endlich oben

Endlich oben

Nachdem wir etwas Kraft getankt hatten stand nun der spassige Teil vor uns – all die hart erkämpften Höhenmeter wieder herunter heizen.
Um nicht den ganzen hinauffahrenden Bikern entgegen zu fahren haben wir die Abfahrt über die Schweizer Seite gewählt, die ebenfalls gesperrt, aber üblicherweise deutlich weniger befahren wird. Speziell für die Abfahrt hatte ich vorab den passenden Reifen aufgezogen und mich damit nach oben gequält. Während die Rennradfahrer auf schmalen 200g Reifen unterwegs sind, hab ich den Gripkönig aller MTB-Slicks gewählt: den Maxxis Hookworm. 2,5 Zoll breit, die Lauffläche bis weit in die Seitenflanke gezogen und dadurch 1,3Kg schwer. Der Grip dieses Reifens ist unglaublich und durch die Rotationskräfte aufgrund des hohen Gewichts liegt er bei hoher Geschwindigkeit satt auf der Strasse.
Einzig die Übersetzung von maximal 38:11 war nicht ideal um bei hohen Geschwindigkeiten noch zu pedalieren. Wie sich aber herausstellte, war die Abfahrt steil genug so dass man auch ohne zu treten ordentlich Geschwindigkeit aufbauen konnte.
Das Ziel der Abfahrt war somit klar gesteckt. All die Rennradfahrer, die sich bergauf so leichtfüssig vorbei geschoben haben, ordentlich in die Tasche stecken. Und was soll ich sagen, es war ein einziger Rausch. Die ganzen gewichtsoptimierten Carbonrennfeilen wurden einkassiert ohne das sie den Hauch ein Chance hatten. Das Prozedere war jedesmal gleich. Während das Rennrad schon weit vor der Kurve anbremst, wurde mit Full-Speed vorbei geflogen und deutlich später der Anker aka Shimano Saint ausgeworfen und mit ordentlich Speed und Schräglage durch die Kurve davon gezogen. Bis ins Tal ist auf diese Weise nur der Fahrer einer KTM 690 SMC R schneller gewesen, der, nachdem die Strasse ab 16Uhr wieder frei gegeben war, die Gunst der Stunde genutzt hat und die relativ leere Strasse heruntergeballert ist.

Alles in allem war es ein sehr schöner Tag, welcher durch die geniale Abfahrt gekrönt wurde. Die Idee mit der eingeschränkten Übersetzung zu fahren war grenzwertig, da man bergauf 1 bis 2 Gänge leichter noch gut hätte brauchen können … es war schon recht fett zu treten.

Auf der Autobahn nach Hause haben wir dann noch eine sehr coole Kombi gesehen – mehr Kult geht einfach nicht.

Bully + Isetta – geht es geiler?

Bully + Isetta – geht es geiler?

Kleine Info zum Schluss. Von offizieller Seite hieß es, dass von italienischer Seite ca. 9500 und von Schweizer Seite ca. 2500 Radfahrer gestartet sind.

Jede Menge Bilder gibt es bei den Fotoagenturen zu sehen, welche vor Ort waren um Bilder zu schießen, die sie später an die Teilnehmer verkaufen können, z.B.: