S100 Modding

Umbau der Streamingbox s100 (t-online) zum Multimediacenter

Dieser Artikel soll beschreiben, wie man eine S100 Streambox von T-Online zum Multimediacenter fürs Wohnzimmer umbaut.
Die Streambox s100 ist ursprünglich zur Nutzung des Video-On-Demand Angebotes von T-Online gedacht. Damit dieses Angebot überhaupt jemand nutzt kriegt man diese Box bei gleichzeitigem Abschluss eines 24-monatigen DSL Vertrages für subventionierte 50euro oder weniger. Neuwert ohne Vertrag war bei 300euro. Dank Ebay kann man diese Boxen zu Preisen zwischen 30-50Euro kaufen. Das reizvolle an der s100 ist, dass in ihr ein vollwertiger PC steckt. Die s100 eignet sich besonders fürs Wohnzimmer, da sie lüfterlos ist und nur 40Watt benötigt. Hier in paar Hardwareinfos:

  • Intel Celeron
  • 128RAM
  • Intel Onboard Grafik [i810]
  • Wlan + Ethernet
  • 2 x USB
  • 2 x Scart (out)
  • Chinch + Digital Audio-Out

Das einzig was fehlt ist eine Festplatte. wie diese eingebaut wird, wird später erklärt.

Was wird benötigt?

Als erstes wird natürlich eine S100 benötigt. Diese am besten bei Ebay kaufen (mehr als 50Euro sind zuviel).
Um auf der S100 überhaupt irgendwas installieren zu können braucht man ein VGA-kabel um die S100 mit dem Monitor verbinden zu können. Es ist nicht möglich die S100 für die Installation über Scart an einen Fernseher anzuschließen (es sei denn man ist Vollprofi und beherrscht die Installation blind). Das Bildsignal während des BIOS und des Bootens wird nicht über Scart ausgegeben sondern nur über den VGA-Ausgang. Das Kabel bekommt man z.b. bei Ebay (ich hab 6euro gezahlt) oder man bastelt es selber.
Der nächste wichtige Punkt ist das Speichermedium. Hier gibt es 3 Möglichkeiten.

  1. 1.Eine normale festplatte in die S100 einbauen. Dies ist der Weg den ich gewählt habe und nachher beschreiben werde. Als Festplatten bieten sich normale 3,5″ oder 2,5″ IDE-Platten an. Ich habe mich für eine 3,5″ Samsung Festplatte [HD400LD] mit 400GB entschieden. In den diversen Foren wird berichtet, das die S100 manchmal Probleme mit der Stromversorgung der Platten hat, da sie für eine zusätzliche platte nicht ausgelegt wurde. Dies ist anscheinend von Nutzer zu Nutzer unterschiedlich. Ich habe mit meiner Platte bisher noch keine Probleme gehabt.
  2. Eine externe USB-Platte verwenden. Da die S100 zwei USB Ports hat, die im normalen Betrieb nicht benötigt werden, kann natürlich auch eine externe USB Platte problemlos angeschlossen werden. Diese Variante hat meiner Meinung nach aber den Nachteil das neben der S100 immer ne Platte stehen muss. Optisch schöner finde ich die interne Lösung.
  3. Interessant ist auch die Variante die gesamten Daten auf einem anderen Rechner oder NAS zu haben und dann eine Verbindung übers Netz zu diesem aufzubauen.

Nachdem geklärt wurde wo die Daten gespeichert werden kommt die Wahl des Betriebssystems. Hier bieten sich verschiedene Linux Distros an. Man kann natürlich auch windows installieren, aber wer will das schon…
Da ich zunächst auch nicht wußte welche Linux Distro ich nehmen soll habe ich mit Debian Etch begonnen. Nachdem ich alles installiert und konfiguriert hatte bin ich letztendlich daran gescheitert, den Scart Ausgang zum Laufen zu kriegen. Die S100 benötigt für den Scart Ausgang nen speziellen Treiber den nur Intel liefert. Dummerweise nur für ältere Xorg versionen. Debian Etch hatte natürlich ein aktuelles Xorg dabei. Selbst mit passendem Xorg ist es ein ziemliches Gefrickel den Treiber zum Laufen zu kriegen.

Der Vorteil der S100 ist jedoch, dass alle Nutzer die gleiche Hardware haben. Daher sollte es ja möglich sein, eine lauffähige Installation von jemand anders zu klonen. Dies haben auch Andere erkannt und genau dies gemacht. Für die S100 existieren zwei fertige Distros. Einmal eine Gentoo Version von Supertrooper. Zum Download braucht ihr die entsprechenden Zugangsdaten die in den diversen Foren zu finden sind. Für die Faulen: account:“beta“ passwd:“zenega“. Diese Distro hatte ich als zweites probiert. Installation war easy und Booten hat auch auf Anhieb geklappt. Allerdings ist hier kein MMS [das ist die Multimediasoftware die ich benutzen wollte] drauf. Nachinstallieren ging auch nicht so einfach, da Supertooper aus RAM-Spar-gründen alle Programme entfernt hat die nicht dringend benötigt werden.
Die andere Distro ist Zenslack, eine slackwarebasierte Distro. Hier ist MMS dabei und auch alles andere [TV-Out, Infrarot, …] bereits dabei. Zenslack gibt es hier. Auch hier wird ein Passwort benötigt welches ich zwar habe, aber nicht veröffentlichen werde. Wer Zenslack benutzen möchte, der gehe in dieses Forum und wende sich an Helau, Gigasan oder Ronja. Ich hatte nach wenigen Stunden eine Antwort und die Zugangsdaten.

Ab geht die Bastelei

Folgende Schritte sind notwendig:

  1. VGA-Ausgang
  2. Zenslack installieren
  3. Installation testen
  4. Stromversorgung Festplatte
  5. Befestigung der Festplatte im Gehäuse
  6. schick machen

VGA-Ausgang

Der VGA-Ausgang wird eigentlich nur zur Installation benötigt, da das Bild bis zum Starten des X-Servers nur über VGA ausgegeben wird.

Um den VGA-Ausgang zu realisieren gibt es zwei Wege:

  1. Bei Ebay ein entsprechendes Kabel kaufen, kostet nur ein paar Euro
  2. Selber bauen, eine Anleitung gibt es hier [ klick ]

Zenslack installieren

Da es für sie S100 fertige Distros gibt habe ich mich entschlossen diese auch zu verwenden. Da Zenslack MMS als Multimedia Software verwendet, werde ich Zenslack nehmen und nicht die Distro von Supertroopa.

Die Installation ist eigentlich simpel.

  • Am einfachsten ist es, die Festplatte der S100 zunächst an einen vorhandenen PC anzuschließen.
  • Den Hilfs-PC booten, Zenslack + Patches herunterladen [ klick ].
  • Falls noch nicht geschehen, die neue Festplatte partitionieren [am besten mit fdisk]. Ich empfehle 3 Partitionen:
    • Partition 1: root; 256mb
    • Partition 2: swap; 256mb
    • Partition 3: home; der rest
  • Die Partitionen mit den Dateisystemen formatieren [ext3 ist nie verkehrt; wer viele kleine Datein hat sollte Reiser in Erwägung ziehen]. dazu mkfs.ext3 /dev/hdx. für die swap partition mkswap /dev/hdx und anschließend swapon /dev/hdx nicht vergessen.
  • Die Root Partition der neuen Platte mounten.
  • Das Zenslack tar-archiv auf die neue Festplatte [root partition] entpacken. Anschließend die Patches entpacken.
  • Die Datei etc/fstab anpassen. Dabei auf Pfade und Dateisysteme achten.
  • Die Datei etc/lilo.conf anpassen. Eigentlich ist die Datei schon vorkonfiguriert. Eventuell sind noch der eine oder andere Pfad anzupassen. Die Root Partition war in der lilo.conf als /dev/sda1 eingetragen, da davon ausgegangen war das eine externe platte über USB angeschlossen wird. Da wir die Platte aber intern an den IDE hängen, sollten die Pfade von sda auf hda geändert werden.
  • Den Bootloader [lilo] in den MBR der neuen Platte installieren. Hier muß man aufpassen, wer hier nen falschen Pfad angibt kann sich den Bootloader des eigentlichen Hilfs-PCs zerschießen und diesen dann nicht mehr booten. Deshalb die Pfade zweimal prüfen. Der folgende Befehl geht davon aus, das ihr die Platte der S100 nach /mnt gemountet habt. Falls nicht, müßt ihr den Pfad entsprechend anpassen: /mnt/sbin/lilo -r /mnt

Das wars mit der Installation. Es bietet sich jedoch an gleich noch die Musik, Filme und Fotos auf die Home Partition der neuen Platte zu kopieren.

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Installation testen

Nachdem wir Zenslack installiert haben sollten wir testen ob die S100 auch bootet.

Provisorischer Strom

Da wir noch keinen Festplatten Stromanschluss in der S100 haben, bedienen wir uns am normalen PC. Die meisten PC haben Netzteile mit mehr Stromanschlüssen als benötigt. Einen davon nehmen wir für die Festplatte der S100.

IDE Kabel anschließen

Anschließend müssen wir die Platte noch mit dem Motherboard der S100 verbinden. Dazu ist zunächst das schwarze Plastemodul [direkt auf der Frontseite] zu entfernen, welches das reguläre Betriebssystem [Windows CE] enthält. Entfernt man dieses, so sieht man, dass es den IDE-Anschluss blockiert hat. Ein normales IDE-Kabel hat sicher jeder rumliegen. Dieses passt jedoch zunächst nicht. Bei normalen IDE-Kabeln ist ein Pin ausgespart [in der Mitte], damit soll verhindert werden das man den Stecker falsch einsetzt. Das Motherboard der S100 hat diese Aussparung nicht, an der Stelle der Aussparung sitzt ein weiterer Pin. Bei einem normalen IDE-Kabel fehlt eine entsprechende Aussparung für den zusätzlichen Pin. Daher muss zunächst ein kleines Loch in den IDE-Stecker gebohrt werden, um Platz für den zusätzlichen Pin zu schaffen. Dies lässt sich am einfachsten mit einem kleinen Bohrer oder spitzen Schraubendreher erledigen. Wenn das geschafft ist können Motherboard und Festplatte mittels IDE-Kabel verbunden werden.

So, nun können wir die S100 booten. Achtung da die S100 jetzt am Netz hängt, sollte man die Finger vom Netzteil lassen da dieses unter voller Spannung steht.

Boot Reihenfolge anpassen

Da die S100 standardmäßig Windows CE zu booten versucht, muß dies zunächst geändert werden. Dazu beim Start die Entf-Taste drücken, um ins BIOS zu kommen. Im BIOS dann den Eintrag „Boot to Windows CE“ auf „No“ stellen und den First Boot Device auf die Festplatte ändern. Die neuen Einstellungen speichern und das BIOS verlassen. Jetzt sollte Zenslack booten.

Stromversorgung Festplatte

Da in der S100 keine Festplatten vorgesehen sind, gibt es auch keine Stromanschlüsse die man nutzen könnte. Daher gibt es eigentlich nur die Möglichkeit den Strom irgendwo abzugreifen. Dazu gibt es verschiedene Lösungen

  • Den Strom direkt an der Platine des Netzteils abgreifen.
  • Mit Stromdieben die Stromkabel zum Mainboard anzapfen.
  • Den Stromanschluss der Festplatte direkt an die Stromversorgung des Mainboards löten.

Ich habe mich für das Anzapfen der Stromkabel des Mainbards entschlossen. Eigentlich wollte ich Stromdiebe verwenden, aber dank dem deutschen Einzelhandel [schönen Gruss an den Westfalia Shop in Halle/Saale, der es in 10 Tagen nicht geschafft hat ein paar Stromdiebe zu besorgen] bin ich dann aufs Löten ausgewichen.

Die Vorgehenweise ist eigentlich simpel. Da das Mainboard bereits mit Strom versorgt wird kann man dort problemlos den Strom klauen den wir für die Festplatte brauchen. Einzigstes Problem ist die Belegung der einzelnen Kabel. Da es sich um einen normalen ATX-Stecker handelt, lässt sich das jedoch rauskriegen. Die Belegung des Steckers findet ihr hier [ klick ]. Wir brauchen +12V, +5V und zwei mal Masse.

Also die entsprechenden Kabel raussuchen, abisolieren, Stromkabel für Festplatte [gibt es in jedem PC-Shop] dranlöten, Isolierband drum, fertig. Ganz Vorsichtige, wie ich, können nach dem Abisolieren nochmal mit dem Multimeter nachmessen … bei Telekomprodukten weiß man ja nie.

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Befestigung der Festplatte im Gehäuse

Die Befestigung im Gehäuse kann ebenfalls auf verschiedenste Arten gelöst werden. Hier drei Möglichkeiten.

  1. Für den Schmerzfreien: einfach mit starkem Tape am Deckel festkleben.
  2. Für den Minimalisten: zwei Löcher ins Frontblech bohren, schrauben durch und fertig. Zum abstützen der Frei schwebenden Seite empfiehlt es sich, etwas unterzulegen. Ich habe einfach ein Stück Gummi abgelängt und auf dem Bodenblech festgeklebt.
  3. Für den Perfektionisten mit eigener Werkstatt: einen Rahmen bauen der das Mainboard überspannt, diesen am Bodenblech befestigen und die Platte im Rahmen einhängen.

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Anschließend noch das IDE-Kabel an die Festplatte anschließen und den Deckel wieder zu befestigen.

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Schick machen

Wem die graue S100 zu häßlich ist, dem empfehle ich einen schwarzen Anstrich. Damit sieht die S100 gleich viel gefälliger aus.

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